Die Linke im Kreistag Kassel fordert mehr Schutzplätze und konsequente Maßnahmen gegen häusliche Gewalt
Wie die HNA kürzlich berichtete stieg die Zahl häuslicher Gewalttaten im Landkreis Kassel im Jahr 2024 deutlich. Insgesamt wurden 410 Fälle gemeldet, was ein ein erneuter Zuwachs gegenüber dem Vorjahr ist. Darunter befinden sich 232 Fälle von Körperverletzung, 65 Bedrohungen sowie 22 Stalking-Delikte. Gleichzeitig sind die Schutzkapazitäten vor Ort völlig unzureichend: Das Frauenhaus Kassel verfügt über lediglich 24 Plätze und musste im vergangenen Jahr 78 Frauen abweisen.
Für Die Linke im Kreistag Kassel ist diese Entwicklung alarmierend.
„Die steigenden Zahlen zeigen deutlich: Häusliche Gewalt ist auch bei uns im Landkreis ein massives Problem und die bestehenden Schutzangebote reichen bei weitem nicht aus“, erklärt Christine Hoffmann, Kreistagsabgeordnete der Linken. „Wenn Frauen in akuter Not abgewiesen werden müssen, ist das ein politisches Versagen. Wir dürfen Betroffene nicht alleine lassen.“
Häusliche Gewalt umfasst nicht nur körperliche Übergriffe. Viele Frauen erleben psychische, sexuelle oder finanzielle Gewalt, etwa wenn Partner das Einkommen kontrollieren und gezielt Abhängigkeiten schaffen. Aus Angst vor weiterer Eskalation erstatten Betroffene häufig keine Anzeige, suchen jedoch Beratung und Schutz. Frauenhäuser leisten dabei weit mehr als kurzfristige Unterbringung: Sie unterstützen bei der Wohnungssuche, bei Behördengängen, im Umgang mit Gerichten und beim Aufbau eines eigenständigen Lebens ohne Gewalt.
„Eine Nacht Schutz reicht nicht. Frauen brauchen langfristige Perspektiven und echte Sicherheit“, betont Jan Kersting, ebenfalls Kreistagsabgeordneter der Linken. „Wir fordern mindestens doppelt soviel Schutzplätze im Landkreis, finanziert aus dem Kreishaushalt und durch Unterstützung des Landes Hessen. Statt Kürzungen braucht es endlich eine solide und dauerhafte Finanzierung.“
Die internationale Übereinkunft Istanbul-Konvention verpflichtet die Unterzeichnerstaaten, ausreichend Schutzplätze für von Gewalt betroffene Frauen bereitzustellen. Zudem verpflichtet das neue Gewalthilfegesetz Bund und Länder zu einer bedarfsgerechten Ausstattung der Hilfestrukturen. Nach Ansicht der Linken klaffen Anspruch und Realität jedoch weiterhin auseinander.
Neben dem Ausbau der Schutzplätze fordert Die Linke auch eine konsequentere Täterverfolgung, schnelle Schutzanordnungen sowie verstärkte Präventionsarbeit in Schulen und Familien.
„Gewalt ist keine Privatsache, sondern ein gravierender Machtmissbrauch“, so Hoffmann weiter. „Wir müssen Täter stoppen und gleichzeitig dafür sorgen, dass Frauen finanziell unabhängig leben können: durch faire Löhne, sichere Arbeitsplätze, Ausbildungsmöglichkeiten und eine verlässliche Kinderbetreuung. Nur so beenden wir auch finanzielle Abhängigkeit und Gewaltstrukturen.“
Die Linke im Kreistag Kassel kündigt an, das Thema mit Nachdruck in die politischen Beratungen einzubringen und drängt Landkreis und Land auf sofortige Maßnahmen.
„Jede Frau und jedes Kind hat das Recht auf ein Leben ohne Angst. Dafür tragen wir politische Verantwortung“, so Kersting abschließend.

