Die Linke im Kreistag Kassel kritisiert die heute bekannt gewordenen Pläne von Landesregierung und Rheinmetall zur massiven Ausweitung der militärischen Nutzung des Kassel Airport.
Rheinmetall und das Land Hessen wollen nach eigenen Angaben insgesamt 285 Millionen Euro in den sogenannten „Defence Hub Nordhessen“ investieren. Ein Teil davon soll direkt am Kassel Airport in ein Logistik- und Trainingszentrum sowie ein Drohnentestzentrum fließen. Gleichzeitig kündigt die Landesregierung ausdrücklich an, den Flughafen künftig noch stärker als militärische Drehscheibe sowie für Bundeswehr-Trainingsflüge und die Erprobung neuer Drohnentechnologien zu etablieren.
Für die Kreistagsfraktion Die Linke ist damit eine Grenze überschritten.
„Was heute als neue wirtschaftliche Chance verkauft wird, ist in Wahrheit die endgültige Abkehr vom Anspruch eines zivilen Regionalflughafens. Der Kassel Airport wird Schritt für Schritt zu einem Bestandteil der militärischen Infrastruktur in Nordhessen gemacht. Genau vor dieser Entwicklung haben wir gewarnt“, erklärt Jan Kersting, Fraktionsvorsitzender der Linken im Kreistag Kassel.
Die Linke hatte bereits am 11. August 2026 einen Antrag für die Kreistagssitzung am 28. September eingebracht. Darin fordert die Fraktion, dass sich der Kreistag ausdrücklich gegen jede militärische Nutzung des Kassel Airport ausspricht. Der Kreisausschuss soll gegenüber der Flughafen Kassel GmbH und den weiteren Gesellschaftern darauf hinwirken, dass der Flughafen ausschließlich zivil genutzt wird. Sollte die militärische Nutzung fortgesetzt oder weiter ausgebaut werden, soll zudem geprüft werden, wie der Landkreis aus der Flughafen GmbH aussteigen kann.
„Unser Antrag ist durch die heutigen Nachrichten aktueller denn je. Wir wollten verhindern, dass sich der Flughafen schleichend von einem zivilen Infrastrukturprojekt zu einem militärisch genutzten Standort entwickelt. Jetzt wird genau diese Entwicklung öffentlich angekündigt. Der Kreistag muss dazu eine klare Haltung einnehmen“, so Kersting.
Besonders kritisch sieht Die Linke, dass öffentliche Infrastruktur nun gezielt mit der Expansion der Rüstungsindustrie verknüpft werden soll. Nach den heute vorgestellten Plänen sollen am Kassel Airport unter anderem ein Logistik- und Trainingszentrum sowie ein Drohnentestzentrum entstehen. Insgesamt sollen in Kassel und Calden mehr als 1.000 neue Arbeitsplätze entstehen.
„Arbeitsplätze und wirtschaftliche Entwicklung sind wichtig. Aber wir dürfen nicht jede wirtschaftliche Investition unabhängig von ihren Folgen begrüßen. Wenn öffentliche Infrastruktur zunehmend militärischen Zwecken dient, müssen wir darüber politisch diskutieren. Für uns ist klar: Der Landkreis Kassel sollte nicht Teil einer Militarisierungsstrategie werden“, sagt Kersting.
Die Linke verweist zudem darauf, dass der Landkreis bereits seit Jahren erhebliche finanzielle Mittel in den Kassel Airport investiert hat. In ihrem Antrag kritisiert die Fraktion, dass der Flughafen trotz dieser öffentlichen Investitionen wirtschaftlich nicht tragfähig sei und weiterhin Millionenbeträge aus Steuermitteln benötigt würden. Nun solle ausgerechnet die militärische Nutzung als neues Geschäftsfeld etabliert werden. Bereits für 2026 wurden rund 700 militärische Flugbewegungen erwartet.
Kersting, der sich seit Jahren gegen die zunehmende militärische Nutzung des Kassel Airport engagiert, fordert deshalb eine grundsätzliche Debatte:
„Ich werde nicht akzeptieren, dass aus einem Flughafen, der mit öffentlichen Geldern als zivile Infrastruktur aufgebaut wurde, schleichend ein militärischer Standort wird. Wer heute von einer militärischen Drehscheibe spricht, kann morgen nicht mehr behaupten, die militärische Nutzung sei nur ein Nebenaspekt. Die Entwicklung ist eindeutig und wir müssen jetzt entscheiden, ob wir sie mitmachen wollen.“
Die Linke fordert den Landkreis deshalb auf, sich klar gegen die weitere Militarisierung des Kassel Airport zu positionieren. Sollte die militärische Nutzung dennoch ausgebaut werden, muss nach Auffassung der Fraktion auch ein Ausstieg des Landkreises aus der Flughafen Kassel GmbH endlich ernsthaft geprüft werden.
„Unsere öffentliche Infrastruktur muss dem Frieden, der zivilen Nutzung und den Menschen in der Region dienen, nicht der weiteren Aufrüstung. Genau darüber wird der Kreistag am 28. September zu entscheiden haben.“


